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Der Umgang mit kaputten Energiesparlampen will gelernt sein. Schweden gibt dafür jetzt Verhaltenstipps. Interessanterweise ist das Zahnfüllungsmaterial Amalgam, das 50 % Quecksilber enthält, in Schweden endlich verboten.
 
BERLIN/STOCKHOLM taz 10./11. Januar 2009
• Öko sein ist schwierig. Das beste Bei­spiel: Man kauft Energiesparlam­pen. Sie verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Strom. Sie hal­ten länger als die Glühbirnen. Nur: Irgendwann gibt auch die langlebigste Sparlampe den Geist auf. Manchem fällt sie auch aus Versehen runter, sie zer­bricht. Spätestens dann wird es schwierig. Denn sie enthält Quecksilber. Und Quecksilber ist hochgiftig, schon in geringen Mengen kann es Nerven und Hirn schädigen.

„Das wissen viel zu wenige Verbraucher“ warnt Ines Oehme, Expertin im Umweltbundesamt. Sie sagte am Freitag zur taz: „Das ist vor allem deshalb ein Pro­blem, weil Energiesparlampen an Bedeutung zunehmen."

Die EU hat erst im Dezember das Aus für die herkömmlichen Glüh­birnen beschlossen. Bis 2012 sol­len sie aus den Ladenregalen ver­schwinden. Das Ziel: Der Strom­verbrauch der Privathaushalte sinkt bis 2020 europaweit um 5 Prozent. Gegen die Öko-Offensive ist nichts einzuwenden. Der deut­sche Verbraucher steht nun je­doch mit einem Quecksilber­-Problem da. Die Lampenindust­rie muss erst ab September 2010 Informationen im Internet an­bieten, so hat es die EU vorgege­ben.

Derzeit kommen konkrete Tipps vor allem aus Schweden: Die Chemieschutzbehörde, die Kemikalieinspektionen, hat in diesen Tagen eine ausführliche Anleitung veröffentlicht für den Fall, dass einem die Energiespar­lampkaputtgeht.

Grundregel: Keinen Staubsauger benutzen, um die Lampenreste aufzusau­gen. Denn mit dem Staubsauger können die Quecksilbertröpf­chen noch feiner verteilt werden und in die Atemluft gelangen.

Zusatzregel für den - übrigens sehr seltenen - Fall, dass die Lampe angeschaltet ist und platzt: Alle Türen zum Zimmer schließen, Fenster öffnen und den Raum für etwa eine halbe Stunde verlassen! Und immer gilt: Die Lampenreste sorgfältig mit einer steifen Pappe auf ei­nem Stück Papier zusammen­kehren, dann die Stelle, an der die Lampe zerbrach, mit einem kleinen nassen Lappen reinigen. Die Chemieexperten empfehlen, die Lampenreste, Pappe und Lap­pen dann in ein Schraubglas zu stecken, dieses zu verschließen und mit einem Zettel „Achtung, kann Quecksilberreste von Ener­giesparlampen enthalten" beim Sondermüll abzuliefern.

„Sparlampen gehören nie in den Hausmüll, auch nicht in den Glascontainer", bestätigt Exper­tin Ines Oehme. Anders als Batte­rien kann man die Lampen je­doch nicht einfach wieder beim Handel abgeben. Die Läden brau­chen sie nicht zurückzunehmen. Der Verbraucher muss ausge­diente Exemplare darum zu ei­ner Sammelstelle bringen. Die Rückgabe ist aber kostenlos. Über die kommunale Abfall­beratung oder die Homepage www.lightcycle.de lassen sich Annahmestellen ausfindig ma­chen: Einfach die eigene Postleit­zahl eingeben.

Dahinter stecken die deutschen Lampenhersteller. Sie haben sich zusammenge­schlossen und die Lightcycle Re­tourlogistik und Service GmbH gegründet und erfüllen damit ihre Pflicht, alte Leuchtmittel zu entsorgen. Diese ist im Elektro­- und Elektronikgerätegesetz fest­gelegt.

Oehme empfiehlt Verbrau­chern, die Angst vor dem Queck­silber haben, Energiesparlam­pen mit Splitterschutz zu kau­fen. Mittlerweile gebe es zudem Lampen, die Amalgam enthal­ten, das das Quecksilber bindet - solange die Lampe nicht ange­schaltet ist. Aber genauso Quecksilber abgibt, wenn die Lampe zerbricht, sagt sie.
H. GERSMANN, R.WOLFF