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... von Peter Bachér über das Geheimnis einer glücklichen Ehe, als Liebeserklärung an seine Frau und an die Kunst, glücklich zu sein.



Da ist sie also, die Frage nach dem Glück meiner Ehe, die Frage, ob es Zufall, Schicksal oder nur Kunstfertigkeit ist, eine Ehe richtig zu steuern, über viele Jahre. Diese Frage zielt in die verschwiegenen Winkel des Glücks, sie zu beantworten heißt: das Wesentliche preisgeben.

Das Geheimnis einer Ehe, die ich als glücklich bezeichnen darf, weil erstens ich selbst es so empfinde und weil zweitens meine Frau mir bestätigt, daß sie genauso fühlt, setzt sich aus mehreren kleinen Geheimnissen zusammen.

Das erste Geheimnis: Das  Glück einer Ehe hängt von dem richtigen Zeitgefühl ab, von der Kunst, mit der Zeit umzugehen.

Die Ehe zielt ins Endlose. Der Gedanke, daß wir sie wie einen elektrischen Apparat eines Tages abschalten können, ist uns nie gekommen. Selbst bei Konflikten - sie kommen vor, sind wie Gewitter, haben nichts zu bedeuten, verändern keinen Sommer, nehmen dem Himmel doch nicht sein Blau - war dieser Gedanke niemals dabei: Man könnte ja  auch miteinander Schluß machen. Und wenn sich dieser Gedanke einzuschleichen versuchte - in einem Augenblick der Ermattung, der Verzweiflung -, wir haben ihn nie aufkommen lassen.

Die Zeit aber spielt nicht nur bei der Abwehr von Gefahren eine Rolle, die Zeit ist viel wichtiger beim Gewinn der Ehe. Jeder Tag ist ein Stein im Mosaik. Da sind auch bei uns Tage mit Leerlauf, blasse Tage, Tage im Büro, an denen man glücklos ist, Tage im Haushalt, da die Frau zu ersticken droht, trübe Tage mit den Kindern, an denen man sich fragt, wozu man dies alles auf sich genommen hat - es sind die farblosen Steine, sie gehören dazu, sorgen dafür, daß die roten und gelben und blauen um so kräftiger leuchten.

Wer über 50 ]ahre alt ist, weiß: Nicht jeder Tag läßt sich in leuchtende Farbe verwandeln. Aber er weiß auch: Jeder Tag ist eine neue Chance.

Meine Frau weiß, daß ich ihr an jedem Morgen eine Rose an ihr Bett stellen möchte, damit ihr erster Blick auf ein Zeichen meiner Liebe trifft. Daß diese Rose nicht dort steht - oder doch zu selten dort steht -, erkennt sie an als Opfer dessen, was sie selbst so haßt wie ich: die Routine des Alltags, dieses Gefühl, vom Alltag aufgefressen zu werden.

Aber das Leben besteht - je älter man wird, um so deutlicher spürt man es - vor allem aus den Möglichkeiten, weniger aus dem, was tatsächlich geschieht. Ich habe gefunden, daß - bei Frauen noch mehr als bei Männern - das Leben aus Träumen gemacht ist. Würde ich aus den Träumen meiner Frau verschwinden, es wäre der Anfang vom Ende.

Es ist nicht wichtig, daß der Ehemann seiner Frau täglich eine rote Rose schenkt, wichtig ist, daß die Frau immer damit rechnen kann, daß es geschieht (und hin und wieder sollte es, um die Phantasie nicht zu überfordern, auch geschehen). Das Operettenlied "Es kommt auf die Sekunde an bei einer schönen Frau" gilt immer noch - auch bei der eigenen Frau.

Das zweite Geheimnis: Das Glück einer Ehe hängt von der Verkleinerung ab, von der Kunst, alles zu begrenzen. Was heißt das?

Wenn man ein Photonegativ unendlich vergrößern will, wird das Bild unscharf; will man einen Luftballon zu weit dehnen, platzt er; möchte man die Ehe in den Himmel stemmen, besteht die Gefahr, daß sie auf der Erde zerbricht.

Als ich mit meiner Frau zum erstenmal in Rom war, fünf herrliche Tage lang, als wir dann für den Rest der Ferien zum Hafen nach Anzio bei Rom fuhren, da waren wir, den Wagen vor dem Hotel, öfter in Versuchung, "eben noch mal schnell" nach Neapel zu fahren, in die vielbesungene Bucht von Sorrent, nach Capri vielleicht - ein Tagesausflug wäre das Ganze gewesen, so leicht zu machen. Aber wir haben diesen Ausflug nicht gemacht. Wir haben Neapel und Capri damals nicht gesehen, und wir wissen, daß das nicht falsch war.

Die Sehnsucht ist im Leben, besonders in dem heutigen der Übersättigung, soviel wert wie die Erfüllung. Warum aber sind wir damals eigentlich nicht gefahren ? Weil wir auf Rom, diese überwältigende Stadt, nicht noch ein zweites Erlebnis draufsetzen wollten, weil wir die Tage in dem kleinen Anzio, der Stadt Neros, der Stadt der herrlichen Fischrestaurants, nicht verkürzen mochten, denn dort konnten wir zu uns finden, zu unseren Gesprächen -  und unserem Schweigen.

lch will mit diesem Beispiel nicht sagen, daß eine Ehe gefährdet ist, wenn man zwei Orte in drei Wochen besucht, ich will nur sagen: Wir haben herausgefunden, daß Begrenzung in die Weite führt, daß es sinnlos ist, alles Erreichbare nur deshalb erreichen zu wollen, weil es erreichbar ist. Wenn ich ein Auto habe und kein zweites brauche, ist es sinnlos, daß ich mir ein zweites Auto kaufe, nur weil es mit einem großen Rabatt zu haben ist.

Eheleute müssen sich darüber einig sein, was sie nicht brauchen. Das ist wichtiger als die Verständigung darüber, was sie brauchen. Wenn ich mich umschaue, sehe ich viel zuviele Ehemänner, die darüber sprechen, was sie demnächst einmal tun wollen: Es mag eine Anschaffung, eine Reise, ein Ausflug, ein abendliches Essen zu zweit sein.

Wenn Männer wüßten, daß die Zukunft immer schon begonnen hat, wenn sie begreifen würden, daß jeder Tag, der für eine Frau ohne Zärtlichkeit versinkt, die Frau dem Alter doppelt schnell in die Arme treibt!

Die Zärtlichkeit aber liegt in den kleinen Dingen, in den heimlichen Gesten, in dem bewußten Sichhinwenden zur geliebten Frau. Das braucht Zeit und Ruhe und Kraft und wieder Zeit.

Das dritte Geheimnis: Das Glück einer Ehe hängt vom Loslassenkönnen ab, von der Kunst, dem Partner "sein Leben" zu gönnen.

Die Frau, die ich liebe, ist eines Tages in mein Leben getreten. Es ist dabei herrlich eingerichtet, daß man an dem Morgen eines solchen Tages noch nicht weiß, wie sehr sich plötzlich alles verändern wird, das ganze Leben, jeder Tag und jede Stunde wird von nun an anders verlaufen - wieviel Törichtes würde man nicht tun, wüßte man um die Wichtigkeit, die in dieser ersten Begegnung liegt!

lch glaube, daß es darauf ankommt, sich ein Stück von diesem ersten Zueinanderfinden zu bewahren, die Entblätterung der Seele zu verzögern, sich hinzugeben, ohne sich aufzugeben.

Das darf keine Masche, kein Trick, keine kalkulierte Absicht sein, aber man muß hin und wieder einen Schritt zurücktreten, um den anderen wieder in seiner ganzen Gestalt zu sehen - und neu zu sehen.

Praktisch heißt das: Ich fahre mal ein paar Stunden, seltener auch Tage, allein fort, oder meine Frau tut es - wir nehmen die Trennung bewußt auf uns, wir spüren.mit jedem Tag, der allein verrinnt, was wir uns bedeuten, und wir sagen uns das, wenn wir wieder zusammen sind. Sie fällt uns schwerer, diese Trennung auf Zeit, je älter wir werden, ein gutes Zeichen, wie ich meine.

Damit bin ich beim letzten und wichtigsten Geheimnis:

Wir nehmen, von Tag zu Tag mehr, den Tag als Geschenk entgegen. Der Morgen ist eine bunte Kugel, die wir bestaunen; mit dem Abend verlöschen die ungenutzten Chancen. Die Bilder des Lebens wechseln immer schneller, wir wissen beide: Unendliches haben wir noch zu besprechen, die ganze Frage nach dem Sinn all unseres Tuns, die Frage nach Gott, die Frage, ob wir unseren Kindern genug sein können - alles, alles wartet noch.

Eine gute Ehe? Eine gute Ehe ist das Gespräch ohne Anfang und ohne Ende. Eine gute Ehe ist das Gefühl, daß das Leben vorher nicht von dieser Welt war, daß eigentlich alles erst begann, als der geliebte Mensch kam. Eine gute Ehe ist für einen Mann die große Chance, die ganze Welt zu umarmen - in seiner Frau.