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Manch ein Patient sucht mich nicht aus freien Stücken auf, sondern weil ihn sein Umfeld oder sein eigenes Spiegelbild dazu drängen. Und nicht nur die Ästhetik, auch intime Bezüge spielen hier eine Rolle. Denn wer küßt schon gern oder gar leidenschaftlich einen deutlich vernachlässigten Mund ?
Und so mag der Wunsch nach zwischenmenschlicher ungestörter Leidenschaft auch ein indirekter Grund sein, zum Zahnarzt zu gehen. Lassen Sie uns diese Geste in ihren vielen Facetten einmal näher betrachten


A kiss is just a kiss? Von wegen! Kaum eine menschliche Geste hat so unterschiedli­che Bedeutungen wie der Kuss. Unter Liebenden ist er ein Zeichen der Zuneigung, im Märchen verwandelt er den Frosch in einen Prinzen. Im Sozialismus symbolisierte er den Zusammenhalt zwischen den „Bruderstaaten" und Papst Johannes Paul ll. küsste bei seinen Auslandsreisen stets zuerst den Boden, um das Gastgeberland zu ehren. Ambivalent erscheint der Kuss aus medizinischer Sicht - denn einerseits stärkt er das Immunsystem, andererseits birgt er die Gefahr, Krankheiten zu übertragen.

Der Kuss ist wie die Umar­mung eine archaische Geste, die wahr­scheinlich so alt ist wie die Menschheit selbst. Wir kennen ihn in unzähligen Varian­ten als Kuss der Liebenden, als Bruderkuss, als Judaskuss, als Freundschaftskuss, als zärt­lichen Kuss der Eltern oder als gespielten Filmkuss.

Warum der Kuss weltweit diese große Bedeutung hat, ist unter Verhaltens­forschern, Psychologen und Sexualwissen­schaftlern bislang nicht eindeutig erwiesen. Meist wird das Küssen wie bei Sigmund Freud auf die angenehmen und lustvollen Gefühle des Kindes beim Stillen zurückge­führt. Oder er wird mit der Mund-zu-Mund­-Fütterung in Verbindung gebracht, die bei vielen Tieren und auch bei manchen Volks­stämmen noch heute praktiziert wird: Die Mutter kaut dabei die Nahrung für ihr Kind vor und überträgt sie dann per Mundkuss.

Einige moderne Kussforscher betrachten das Küssen dagegen vorrangig als einen bio­chemischen Vorgang, um die Geruchs- und Botenstoffe im Speichel, der Zunge und der Mundschleimhaut des Partners zu testen, um so herauszufinden, ob man zueinander passt.

Jede der drei Theorien klingt für sich be­trachtet schlüssig. Aber wahrscheinlich er­schließt sich die Bedeutung des Kusses erst im Zusammenspiel der unterschiedlichen Ansätze. Noch nicht erklärt sind damit aber die unzähligen verschiedenen Spielarten, die sich im Verlauf der Jahrhunderte heraus­gebildet haben. Grundlegend lassen sich je nach Betrachtung vier verschiedene For­men unterschieden: Neben dem Küssen und Stillen des Säuglings gibt es die Küsse der Liebenden, den Kuss als Begrüßung sowie den Kuss als religiöses Ritual. Den ver­schiedenen Varianten gemein ist, dass sie in unterschiedlichsten Kulturen und zu unter­schiedlichsten Epochen auftreten.

Vom Kuss der Götter zum Kuss der Liebenden

Zu den ältesten erhaltenen bildlichen Über­lieferungen des Kusses gehören Abbildun­gen aus Ägypten aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Der Kuss erscheint dabei in erster Linie als religiöses Ritual: Die unterschiedlichen Darstellungen zeigen Nasenküsse zwischen Göttern sowie zwischen Göttern und Köni­gen, die den Lebensatem auf den Geküssten übertragen sollten. In anderen Kulturen der Antike wurde statt mit der Nase fast aus­schließlich mit dem Mund geküsst. In Meso­potamien küssten die Gläubigen auf diese Weise ihre Götterstatuen als Zeichen der Verehrung.
 
Griechen und Römer küssten dagegen die Erde als Huldigung an Mutter Erde.
Zur gleichen Zeit rühmten römische und griechische Dichter das Küssen bereits in ihrer Liebeslyrik. So ging Platon davon aus, dass sich während eines Kusses von Mund zu Mund die Seelen berühren und mitein­ander vermischen. Und im Alten Testa­ment singt das Hohelied Salomos ein eroti­sches Loblied auf das Küssen: „Von deinen Lippen, Braut, tropft Honig; Milch und Honig ist unter deiner Zunge" (Hohelied 4, 11).

 Einige Jahrhunderte später spielt der Kuss eine wichtige Rolle in der Literatur der Minnedichtung - so etwa im Versroman „Tristan" des mittelhochdeutschen Dichters Gottfried von Straßburg aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Vom Kuss der Minnedichter aus führt ein direkter Weg zum romantischen Kuss als in­nige Begegnung von Körper und Seele. Die Skala an möglichen Variationen in der Lite­ratur wie im richtigen Leben reicht dabei vom schüchternen und zärtlichen über den verliebten und leidenschaftlichen bis hin zum stürmischen, ungestümen oder gar er­zwungenen Kuss, wobei der Übergang zum Biss manchmal durchaus fließend sein kann.

In seiner kleinen Kulturgeschichte des Kus­ses belegt Alain Montandon zudem, welche Anziehungskraft selbst ein „Beinahe-Kuss" ausüben kann. Er zitiertdazu einen Brief von Goethes jungem Werther von 1774, in dem er eine Begegnung mit seiner geliebten Lot­te schildert: „Wenn sie gar im Gespräch ihre Hand auf die meine legt, und im Interesse der Unterredung näher rückt, dass der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen kann - ich glaube zu ver­sinken, wie vom Wetter gerührt."

Von ent­scheidender Bedeutung ist hier wie im rich­tigen Leben der von Werther so sehnlichst erwartete erste Kuss. Denn als Geste der Liebe bindet er in der Regel zwei Menschen für eine bestimmte oder unbestimmte Zeit aneinander. Bezeichnenderweise besiegelt daher auch der Kuss vor dem Standesamt oder in der Kirche den Bund der Ehe.

Vom Judaskuss zum Kuss der Erlösung im Märchen

In Abwandlung des beißenden Kusses der Liebenden lässt sich auch der Biss der Vam­pire als eine Form des Kusses begreifen. Doch handelt es sich hierbei „nicht mehr um einen Austausch, also nicht um jene Ge­genseitigkeit, die ein wesentliches Merkmal des Kusses ist", so Alain Montandon. „Viel­mehr geht es darum, dem anderen seinen Lebenssaft auszusaugen, ohne etwas dafür zurückzugeben (außer der Krankheit, die durch den Biss auf das Opfer übertragen wird). So wird der andere fortan in einen weiteren Vampir verwandelt, damit beide fortan als Gleichgesinnte ihr Unwesen trei­ben können."

Dass der Kuss durchaus nicht immer positiv besetzt zu sein braucht, belegt auch der be­rühmteste Kuss im Neuen Testament. Dabei geht Judas auf Jesus zu und verrät ihn mit einem Kuss, woraufhin dieser verhaftet und schließlich gekreuzigt wird. Wieder andere Bedeutungen wurden dem Küssen im Mit­telalter zugesprochen: Bei Hofe diente er angeblich als eine Art Alkoholkontrolle, mit dem die Ritter herausfinden wollten, ob ihre Ehefrauen getrunken hatten, während sie auf Kreuzzug waren. Auf der anderen Seite hatte der Kuss oftmals eine rechtsbindende Wirkung.

Und auch im Märchen kommt dem Kuss seit jeher eine Schlüsselrolle zu. Je nach Stoff und Figur steht er hier wechselweise als ein Zeichen für Erlösung, Entzauberung, Freundschaft, Verehrung oder ewige Liebe. Am bekanntesten ist dabei sicherlich Grimms Märchen „Der Froschkönig", in dem die Prinzessin einen Frosch gegen einen Spiegel wirft, worauf der sich dann in einen Prinzen verwandelt. Zwar taucht das Motiv des Kusses in der Fassung der Brüder Grimm gar nicht auf, im Bewusstsein der Menschen hat sich dennoch hartnäckig festgesetzt, dass erst der Kuss der Prinzessin den Frosch in einen Prinzen verwandelt hätte. Eine ähnlich wichtige Bedeutung hat der Erweckungskuss für Dornröschen, die dadurch aus dem Schlaf erweckt wird.

Form der Ehrerbietung und der Begrüßung

Parallel zum Kuss der Liebenden bildete sich bereits im höfischen Mittelalter ein ritualisierter Begrüßungskuss als Form der Etikette heraus. Man küsste auf Mund, Wangen oder Augen, insbesondere die Franzosen küssten außerdem auch Nase, Kinn und Hals. In Abwandlung an den Handkuss als Ehrung der Götter und Herrschenden, wie er bereits seit dem vierten Jahr­hundert vor Christus von den Sumerern durchgeführt wur­de, hat sich als besondere Form außerdem der Handkuss als ehrerbietige Begrüßung einer Dame durch einen Herrn entwickelt. Ausgehend vom spanischen Hofzeremoniell Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Ritual später auch am Wiener Hof übernommen. Noch ehrerbietigere Formen sind der Kuss des Ringes, des Kleidsaumes der Dame oder auch der Fußkuss als Zeichen der absoluten Ergebenheit ei­nes Mannes gegenüber einer Dame.

Neben dieser verehrenden Form finden sich bis heute ver­schiedenste Grußformen des Kusses. Je nach Kultur bleibt er dabei auf den Familienkreis beschränkt oder wird auch im engeren oder weiteren Bekann­tenkreis gepflegt. Für Missver­ständnisse sorgt dabei häufig die korrekte Anzahl der Wangenküsse. Denn während in Deutschland meist ein oder zwei Küsse reichen, wird in anderen Ländern wie der Schweiz oder den Niederlanden bei Begrü­ßung und Abschied in der Regel ein dritter Kuss erwartet. In Asien und in der Arktis be­grüßt man sich dagegen eher mit einem Riechgruß, dem sogenannten „Nasenkuss", der eigentlich kein Kuss im herkömmlichen Sinn, sondern eher ein Beschnüffeln ist.

Ein Kuss wie im Film

Ganz neue Möglichkeiten zur Darstellung des Kusses und insbesondere des Liebes­kusses boten seit dem 19. Jahrhundert die aufkommende Fotografie und vor allem der Film. Bereits 1896 wurde der dreißig Sekun­den lange Streifen „The Kiss" als einer der ersten Filme überhaupt in Amerika uraufge­führt. Die gesamte Handlung bestand aus einem einzigen langen Kuss.

Diesem ersten Kuss folgten bis heute zahllose weitere - zu den bekanntesten zählen dabei die Filmküs­se zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in „Casablanca", die zwischen Vi­vien Leigh und Clark Gable in „Vom Winde verweht" oder die zwischen Deborah Kerr und Burt Lancaster in „Verdammt in alle Ewigkeit". Die Münder sind bei diesen Küs­sen kaum zu sehen, stattdessen beugt sich der Mann leiden­schaftlich um die Frau, die ihrer­seits den Kopf zurückwirft.

Der erste Zungenkuss wurde erst 1961 im Hollywoodfilm „Fieber im Blut" mit Natalie Wood und Warren Beatty gezeigt. Sie alle haben die Kusskultur des 20. Jahrhunderts stark geprägt und den Kuss generationsübergrei­fend zum Sinnbild für Romantik und tiefe Leidenschaft werden lassen. Symptomatisch steht dabei der Kuss als Happy-End, der die Geschichte glücklich abschließt.

Trotz der gemeinsamen Folie des Films und der Medien be­stehen je nach Erziehung und kultureller Prägung nach wie vor zahlreiche unterschiedliche Vorlieben und Abneigungen beim Liebeskuss: In Japan und Indien zum Beispiel werden küs­sende Paare in der Öffentlich­keit nicht gerne gesehen, weil der Kuss nach der dort vorherr­schenden öffentlichen Meinung zum sexuellen Vorspiel gehört und somit nur hinter verschlos­senen Türen stattfinden soll. Ebenso werden dort manche Filme verboten, weil sie ein küssendes Lie­bespaar zeigen.

Im europäischen Westen und in den meisten Ländern Nordamerikas gilt es dagegen zumindest heutzutage meist nicht mehr als anstößig, sich in der Öffent­lichkeit zu küssen. Neben dem Zungenkuss und dem Wangenküss als Zeichen von Verlangen oder Zuneigung spielt dabei vor allem der Abschiedskuss eine Rolle, der je nach Anlass und Dauer der Trennung als Wangenkuss, als intimer, als flüchtiger oder als angedeuteter Kuss zelebriert wird.

Der Kuss als Geste in Religion, Sport und Politik

Aufbauend auf der Verehrung von Götter­statuen in der Antike haben sich im Verlauf der Jahrhunderte zahlreiche weitere Formen des symbolischen Kusses herausgebildet. So werden in den Orthodoxen Kirchen bis heu­te Ikonen mit einem Kuss verehrt. Und in der christlichen Lithurgie küsst der Priester im katholischen eucharistischen Gottesdienst zu Beginn der Feier den Altar und nach der Verkündigung des Evangeliums das Evange­lienbuch als Zeichen der Gegenwart Christi.

Bekannt sind auch die Szenen, in denen Papst Johannes Paul II. bei seinen Auslands­reisen den Boden küsste, um so das Gastge­berland zu ehren. Daneben ist es Bestandteil vieler Rituale, einen Toten zu küssen. Und der Sterbende wiederum küsst das Kreuz, das man ihm hinhält. „Denn wenn man ei­nen heiligen Gegenstand küsst, verschmilzt man mit ihm und nimmt seine Eigenschaf­ten in sich auf", so Alain Montandon.

Eine säkularisierte Form des Verehrungs­kusses ist der Kuss, mit dem Sportler ihre Trophäen küssen - eine Geste, die dann je nach Größe und Bedeutung des sportlichen Ereignisses häufig live in aller Welt zu sehen ist.

Im politischen Raum ist außerdem der frü­her bei Staatsbesuchen und Parteiversamm­lungen gepflegte sozialistische Bruderkuss zwischen den Herrschenden der ehema­ligen Ostblockstaaten bekannt. Das promi­nenteste Paar bildeten dabei sicherlich SED-­Chef Erich Honecker und der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Breschnew. Noch heute sind beide als berühmtes Motiv des russischen Malers Dimitri Vrubel auf der sogenannten „East Side Gallery" entlang eines 1,3 Kilometer langen Teils Berliner Mauer zu bestaunen.

Gesundheitsförderung und Naturmedizin

Unabhängig von den unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bedeu­tungen und seiner vielfältigen Funktion als Ausdruck von Liebe, Freundschaft oder Verehrung kommt dem Küssen auf rein physiologischer Ebene außerdem auch eine gesundheitsfördernde Wirkung zu.

Alain Montandon zählt auf, dass an einem Zungenkuss mindestens 29 Muskeln betei­ligt sind. Gleichzeitig setzt die Nebenniere Adrenalin frei, die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin und das Immunsystem schickt Abwehrzellen durchs Blut. Intensives Küssen lässt somit nicht nur den Herzschlag steigen, sondern bringt auch den Kreislauf in Schwung und fördert die Durchblutung und die Wider­standsfähigkeit des Körpers. Gleichzeitig wird beim Küssen die Produktion des Stresshormons Kortisol eingeschränkt, das für Depressionen und Frustrationen verantwortlich ist.

Wenig angenehm ist das Küssen allerdings, wenn der Partner oder das Gegenüber an Mundgeruch aufgrund von mangelnder Zahn­pflege, Paradontitis oder anderen Krankheiten leidet. Schnell kann daraus eine persönliche Abnei­gung entstehen, die nicht zuletzt in der Redewendung „jemanden nicht riechen können" ihre Ent­sprechung findet. Um den Atem zu erfrischen, wurden daher schon im alten Ägypten Honig- und Kräuterbon­bons gelutscht. In der Neuzeit stehen dazu zusätzlich auch Zahnpasta und Kaugummi zur Verfügung.

Übertragung von Krankheiten durch Küssen

Trotz dieser Hygienemaßnahmen besteht beim Küssen aufgrund des Speichelaustau­sches die Möglichkeit der Übertragung von Krankheiten. Zu nennen wären hierbei etwa Herpes, Hepatitis B und Pfeiffersches Drüsenfieber. Aktuell steht in diesem Zusammenhang vor allem die Angst vor der Schweinegrippe im Vordergrund, zu deren Übertragung allerdings schon ein Niesen ausreichen kann. Allein der Verzicht aufs Küssen bietet in diesem Fall also noch keine ausreichende Sicherheit ;-)))

Autor: Robert Uhde Grenadierweg 39 26129 Oldenburg


aus ZM, Zahnärztliche Mitteilungen 16.01.2010 Nr 2