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Montagabend, 18:25 Ortszeit. KL 685 aus Amsterdam verläßt seine Reiseflughöhe. Setzt zum Sinkflug über abendlich-dunkle Gebirgsformationen an. Vereinzelte Lichtpunkte signalisieren Zivilisation. Und plötzlich - 18:45 - öffnet sich fast schlagartig die mexikanische Hochebene und verwandelt die monotone Dunkelheit in einen unübersehbaren , nicht endenwollenden  glitzernden Lichtteppich - ein Meer von Diamanten, Lebenszeichen einer 27-Millionen-Stadt, einst konzipiert für 10 Millionen Menschen. Ein lebendiger, atmender Koloß, bewundernswert in seiner logistischen und administrativen Bewältigung ... Mexico-City. Kurz und liebevoll „DF“ (District Federal) von seinen Einwohnern genannt.
Nach der endlosen Menschenschlange der Einwanderungskontrolle die Spannung: werde ich abgeholt? Freudige Gesichter, Umarmung, Schulterklopfen, Wangenkuß - Guten Flug gehabt? Koffer aus die Rückbank, die Zentralverriegelung von innen geschlossen - ein notwendiges Ätsch und Aus für Ampelgangster. Unbekümmerte Autofahrt, Vorfahrt und rote Ampeln gelten nur bei ausreichendem Zeitpolster. Autoschlangen, Hupkonzerte, Coca-Cola-Flimmern und Corona-Bierflaschen häuserwandgroß. Ruhigere Straßen, aufschwingendes Garagentor. Hier wohnen wir, dort ist Dein Zimmer. Sehen wir Dich heute abend noch?
2 Gläser voll jenes fast lilafarbenen chilenischen Weines. „Wir haben gehört, eure Regierung ist nicht so gut, sie soll ziemliche Schwierigkeiten haben?“ Und immer wieder „Bei euch herrscht wenigstens Ordnung“. Der warme Abend macht das Lächeln leicht.
Eine Woche ist kurz. Ich freue mich auf die Metro, wie überall Treffpunkt der Hektik, der Lebens- und Überlebenskünstler, Schmelztiegel aller sozialen Schichten und das gesamte Spektrum dessen, was die Nase wahrzunehmen imstande ist.
Kaum schließen sich zischend die Türen, öffnen fliegende Händler Taschen, Mäntel, Plastiktüten, bieten in hypnotischen Singsang sich durch die Fahrgäste drängelnd ihre Ware an, spielt ein Blinder miserabel auf seiner Flöte, singen Kinder mit geöffneten Handflächen mexikanische Lieder und flehen schmutzstarrende alte Weiblein um ein Geldstück. Menschen drängen hastig zur Seite, als ein junger Mann ein Tuch voller Glasscherben auf dem Waggonboden ausbreitet und seinen zernarbten Rücken darin ein paarmal hin- und herrollt. Es rührt sehr, daß auch offensichtlich sehr Arme freundlich und bereitwillig geben.
Das Anthropologische Museum - stolzes Herzeigen faszinierenden indianischen Kulturgutes. Und trauriger Zeuge weltlicher und katholischer Konquista. Schwerterschwingende Herrenmenschen auf scheuenden Pferden und beleibte biebelumklammernde Tonsurträger; das Kreuz, das sie selbstgefällig schwingen, hat schon längst über die erbittert sich mit bloßen Händen wehrenden Indios das Todesurteil verhängt. Meine Kehle wird sehr eng; erst geschliffener Stahl - , dann Brot für Welt.
Es zieht mich zum gewaltigen Komplex der Markthallen und seinem Universum der Sinneseindrücke. Vor jedem besseren Geschäft, jeder Bank schwerbewaffnete Sicherheitskräfte, Fallschirmspringerstiefel, nachtschwarze Monturen, Pumpgun quer im Arm, Patronengurte, fast alles blutjunge Burschen, unter den Helmen jene leeren Gesichter, die sich von jeder Fahne in den Krieg schicken lassen.
Nicht-endenwollende Autoströme, gelassener Respekt vor der Disziplinlosigkeit des Anderen,  am Rückspiegel baumelnde Heiligenbilder mit rückseitigen Gebeten.   
„Die Pyramiden bei Oaxaca (das „X“ wird wie ein „H“ gehaucht) mußt Du gesehen haben“. Um 23:45 der Bus-Fernbahnhof, eine moderne Karawanserei voller müder, lagernder Reisender. Liegend völlig ausstrecken kannst Du Dich an Bord dieser modernen Reisebusse, mit Flugzeugkomfort rastlos auf festen Routen das Land durchstreifend. Die Eisenbahn steht nicht hoch im Kurs. 6 Stunden bis Oaxaca, verschlafen frühmorgens den Bus verlassen, Taxi, das Hotelzimmer belegen, hungrig auf den sonnigen „Zocalo“, den Zentralplatz jeder mexikanischen Stadt, das ersehnte mexikanische Frühstück à la Ranchero und ein riesiges Glas frischen Fruchtsaftes.
Der Markt schluckt mich, ich tauche in ein Meer von Farben und Gerüchen, nie gesehener Früchte und freundlicher Menschen, streunende Hunde, Garküchen, kleine emporgereckte Hände, die alles verkaufen, was sich anbieten läßt, schlafende Säuglinge auf Verkaufstischen zwischen toten Hühnern und Ananas. Und immer wieder der flache Bastkorb, in dem ölglänzend die zusammengekrümmten Körper gerösteter und gesalzener Heuschrecken liegen. „Senor, probieren Sie doch wenigstens!“. Die Medida, das kleine Maß-Schälchen der Händler, bietet mir einige Leichen „auf Probe“ an. Die Indiofrauen können meinen Blick nicht verstehen.
Ich versichere vorsichtshalber bei jedem Gespräch kein „Gringo“, kein Amerikaner, zu sein. Das teilnahmslose Gesicht wird plötzlich freundlich und interessiert, manchmal sogar bewundernd: „Ah, Aleman, buenos dias !“.
Der warme Abend sieht uns beim Abendessen in den Arkaden des Zokalo, Schuhputzer deuten auf meine Schuhe und versichern, ich sähe darin aus wie ein Arbeitsloser. Das wolle ich doch wohl wirklich nicht?  Also gut - 10 Pesos und während die mexikanische Familie am Nachbartisch die leidenschaftliche Ballade des Straßentrios Flöte-Mandoline-Gitarre mitsingt, spiegeln meine Schuhe das letzte Licht des Abendrotes.
Der späte Morgen führt uns zu den Pyramiden - staubdurchglühte, wuchtige uralte Treppengebirge, stolz, trotzig, wehmütig, das altargekrönte Haupt in den immerblauen Himmel gereckt, geduldig die ameisenhaft auf seinen Flanken kletternden Touristen ertragend. Sensibilität und Achtsamkeit spürt hier noch das Treiben, das ehemals das Unglaubliche schuf: wehklagend-opfernde Priester, herabrollende Opfer mit geöffnetem Leib, aufwendige Farbenpracht der herrschenden Kaste, Geschäftigkeit der begabten Handwerker. Die Welt der Tolteken schlägt über mir zusammen. „Senor, möchten Sie die Nachbildung einer Toltekenfigur kaufen? Mein Vater stellt sie her“ - Ein Indio hält mir fragend eine wunderschöne kleine Skulptur entgegen. Sie verkörpert den Wasser- und Fruchtbarkeits-Gott. Und strahlt etwas aus, dem ich mich nicht entziehen kann. Ja, ich kaufe sie. Cuanto cuesta? Muchas gracias.
Alte große amerikanische Autos und Wellblechhütten, teilnahmslos am Wegrand wartende Indios, kleine alte müde Mexikaner mit großen Hüten und schwarzen Schnurrbärten. Amerikanische Kitschfarben und leuchtendes Rot-Gelb der Indio-Handarbeiten. Junge Menschen mit querer Baseballkappe, Skatebord unter dem Arm und der großen Sehnsucht nach der Lebensart des Nordkontinentes im Blick. Die Rückfahrt stimmt mich traurig.
Abendessen? Komm - flüchtiger Blick im Vorbeigehen in halbdunkle Hotel-Patios, Terrakottafliesen. Leuchtend-rankende Polster der Bourgainvillea. Palmen in Kübeln, schwere Sitzmöbel voller wohlhabender älterer Mexikaner. Danke nein, das ist nicht meine Welt, es zieht mich lieber zurück zum Zokalo.Auf der Straße wirft ein abgerissener Indio-Junge ein schepperndes Geldstück in die Blechdose des blinden Flötenspielers.
Einchecken um 14:00 - der Überlandbus hat nur reservierte Plätze. Endlos Straßenwindungen schneiden durch rostrotes Sedimentgestein. Pueblo-Kirchen mit Glockenausschnitt in der malerischen Vorderwand. Karge Hochebenen unter sengender Sonne. Großflächige Reklametafeln mit Flugrost und Telegraphenmasten. Kleine Ziegenherden und dahinschnüffelnde Hunde. Einzelnstehende übermannsgroße Säulenkakteen, die sich hier und da zu Wäldern verdichten und die steilen Hänge hinaufklettern. Bis der rissige Boden auch dort zu karg wird. Die Hügelsilhouette flacht zur Ebene ab, leere Flußbetten mäandern zum Horizont. Ein Gürteltier hebt witternd die Nase. Letzte algengrüne Rinnsale versickern. Die Wüste hat viele Gesichter.
Mit anbrechender Nacht hat uns die Großstadt wieder, der Bus taucht ein ins Lichtermeer von Mexico-City. Plastik, Neonlicht und Autowracks - the american dream - the american way of life - ersetzen das alte, das stille Mexico.
Montag abend, 21:00 Ortszeit. Der Jumbo KL 686 steigt über den unübersehbaren Diamantteppich hinweg in den Nachthimmel und nimmt Kurs auf den Golf von Mexico, Richtung Florida. Flugzeit bis Amsterdam 10:15, Flughöhe 12500 m, Geschwindigkeit über Grund: 989 km/h. Hasta luego, Mexico.